Geschichte
Das erste Laientheater St. Gallens entstand im Mittelalter um das Jahr 900; treibende Kräfte waren die Mönche Tutilo und Notker Balbulus. Weil die in der Klosterstadt dominante Kirche dem Theater ablehnend gegenüberstand, konnte bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts kein Theaterbetrieb Fuss fassen. Die «Deutsche Löhlein’sche Theatergesellschaft» beantragte im Frühling 1801 bei der Stadtbehörde vergebens eine Spielerlaubnis. Ihr Bühnenstück Die edle Lüge von August von Kotzebue wurde in einer Bretterbude in St. Fiden gezeigt.
Später durfte die Truppe doch noch in die Fürstäbtliche Kloster-Remise ausserhalb der städtischen Grenzen einziehen. Diese war 1795 unter Abt Beda erstellt worden. Am 14. Oktober 1801 fand in dem einfach ausgestatteten Raum die Premiere des ersten St. Galler Theaters statt, mit Die silberne Hochzeit oder das Glück des zufriedenen Landmanns erneut mit einem Stück des damaligen Erfolgsautors Kotzebue. Von 1801 bis 1856 diente die Remise zwischen Karls- und Spisertor als Theatergebäude. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde eine kleine Erweiterung vorgenommen, die die Billettkasse und einen kleinen Erfrischungsraum beherbergte.
Mit seiner «Theater-Actionnairs-Gesellschaft» schuf der erste Landammann des neuen Kantons St. Gallen, Karl Müller-Friedberg, 1805 die Grundlage für das erste schweizerische Berufstheater mit Dreispartenangebot auf privater Basis und stand ihm bis zu seinem Rücktritt im Jahr 1831 vor.
1850 beauftragte die Stadt Johann Christoph Kunkler, sich nach einem geeigneten Bauplatz umzusehen. Er wählte den ehemaligen Klostergarten von St. Katharinen und des alten Zeughauses, den heutigen Bohl. Am 5. November 1857 wurde der Kunkler-Neubau am Bohl mit Mozarts Don Giovanni eröffnet. Während mehr als einem Jahrhundert waren in diesem Gebäude die Produktionen des Stadttheaters zu sehen, bis sich im Januar 1968 der Vorhang nach Millöckers Der Bettelstudent mit Kapellmeister Héctor Urbón zum letzten Mal schloss. Der Kunkler-Bau wurde im Jahre 1971 abgerissen; heute steht dort eine McDonald’s-Filiale.
Neubau
Die konsequent umgesetzte architektonische Grundidee des neuen Theaterbaus (Claude Paillard), in dem bis heute die Vorstellungen des Theaters St. Gallen stattfinden, ist das regelmässige Sechseck und somit der 120°-Winkel. Am 15. März 1968 wurde das Gebäude mit Ludwig van Beethovens Fidelio eröffnet. Aus Anlass des Neubaus wurde die Aktiengesellschaft durch eine Genossenschaft ersetzt, bei der auch Stadt und Kanton beteiligt waren und noch sind.[1] Die angrenzenden Kantone und Gemeinden beteiligten sich nach und nach am Theaterbetrieb. Im Rahmen des Neuen Finanzausgleiches soll das Theater als Infrastrukturleistung für die Region berücksichtigt werden.
Seit 2000 firmieren das Sinfonieorchester St. Gallen und das ehemalige Stadttheater St. Gallen unter Konzert und Theater St. Gallen. Durch diese Rechtsform konnte eine Mehrwertsteueroptimierung erzielt werden, da das Orchester für das Theater bei Opern, Operetten und Musicals Dienstleistungen erbringt. Der Name Stadttheater wurde fallengelassen, da der Kanton beschlossen hatte, mehr als die Hälfte der Subventionen zu tragen.
Konzert und Theater St. Gallen gehörte in den letzten Jahren zu den grössten Empfängern von Geldern aus dem Lotteriefonds.[2]
Am 4. März 2018 stimmte die St. Galler Bevölkerung in einer kantonalen Abstimmung einer Sanierung mit Kosten von ca. 48,6 Mio. Franken mit 62,47 % Ja-Stimmen zu.[3]
Die Totalsanierung des Theaters dauerte von September 2020 bis Juni 2023. Während des knapp dreijährigen Umbaus wurde eine Ersatzspielstätte im Brühl-Park vor der Tonhalle erstellt. Die Wiedereröffnung des renovierten Theaters St. Gallen fand am 22. Oktober 2023 statt.[4][5]